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Die
folgende Anekdote ist Tatsache. Die Tochter des Königs betrachtete einmal
die Hand einer ihrer Kinderzofen, zählte die Finger und sagte erstaunt:
"Wie? Sie haben auch fünf Finger, ganz wie ich?" Und dann zählte sie noch
einmal.
M. sagte: "Ich habe auf die Freundschaft von zwei Menschen verzichtet:
weil der eine nur von sich der andere niemals von mir sprach".
Während
einer Belagerung bot ein Wasserträger in den Straßen Wasser feil. "Sechs
Sous der Eimer", rief er fortwährend. Eine Bombe flog herein und zertrümmerte
ihm eins seiner Gefäße. "Zwölf Sous der Eimer", rief er gelassen.
Herr
*** trug oft, wenn man von der Liebe sprach, freigeistige Ansichten vor.
Dabei war er im Grunde ein feinfühliger, leidenschaftlicher Mensch. Daher
sagte jemand von ihm: "Er tut so unanständig, um bei den Frauen Glück
zu haben."
Herr
von Barbaçon, der sehr schön gewesen war, besaß einen hübschen Garten,
den die Herzogin von La Vallière besuchte. Der Eigentümer, der damals
sehr alt und gichtbrüchig war, sagte ihr, er sei einst wahnsinnig verliebt
in sie gewesen. Frau von La Vallière antwortete: "Ach, mein Gott, warum
haben Sie nichts gesagt? So wie die anderen hätten auch Sie mich besessen."
Als
man einmal über die irdische Welt sprach, in der es arg und ärger hergeht,
sagte Herr ***: "Ich habe irgendwo gelesen, dass es in der Politik nichts
Schlimmeres für die Völker gibt als eine zu lange Regierung. Nun soll
sogar Gott ewig sein! Das sagt alles."
Einer,
der von Adelsprahlerei wie besessen war, entdeckte, dass die Umgebung
des Versailler Schlosses wie von Urin verpestet war. Er befahl seinen
Dienern und Vasallen, auch bei seinem Schloss Wasser zu lassen.
Herr
von Sourches war ein kleiner Geck und glich in seiner Hässlichkeit mit
seinem Teint einem Uhu. Als er eines Nachts heimkehrte, sagte er: "Das
ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass ich zu Hause schlafe."Der
Bischof von Agde wandte sich um und sagte beim Anblick dieses Gesichts:
"Der Herr nistet wohl?"
Fontenelle
war achtzig Jahre alt, als er einer jungen und schönen Dame den Fächer
aufhob. Sie war so ungezogen, dass sie seine Höflichkeit verächtlich aufnahm.
Fontenelle sagte zu ihr: "Aber Gnädige, wirklich! Sie verschwenden Ihre
Kälte!"
Der
adelsnärrische Herr von Brissac bezeichnete oft Gott mit den Worten: "Der
Edelmann da droben."
Der
Arzt Lorry erzählte, dass Frau von Sully ihn bei ihrem Unwohlsein habe
rufen lassen, um ihm von einer Ungehörigkeit Bordeus zu berichten. Dieser
habe zu ihr gesagt: "Ihre Krankheit kommt daher, dass sie unbefriedigt
sind; Sie brauchen einen Mann"; und gleichzeitig sei er in wenig schicklicher
Weise vor ihr gestanden. Lorry entschuldigte seinen Kollegen und sagte
Frau von Sully eine Menge achtungsvoller Artigkeiten. Er fügte hinzu:
"Ich weiß nicht, was inzwischen passiert ist; sicher ist nur, sie ließ
mich noch einmal rufen und nahm dann wieder Bordeu."
Der
Chevalier von Montbarey hatte in irgendeiner Provinzstadt gelebt. Bei
seiner Rückkehr wurde er von seinen Freunden deswegen bedauert, dass er
so lange in schlechter Gesellschaft habe leben müssen. "Ihr irrt euch",
sagte er, "die gute Gesellschaft dieser Stadt ist wie überall und die
schlechte ausgezeichnet."
Ein
Philosoph, dem man seine besondere Vorliebe für die Zurückgezogenheit
zum Vorwurf machte, erwiderte: "In der Gesellschaft ist alles danach angetan,
mich herunterzuziehen, in der Stille, mich zu steigern."
Als
der Vicomte von Noailles die junge Frau von M. verlassen hatte, war sie
verzweifelt und sagte: "Ich werde wahrscheinlich noch viele Liebhaber
haben, aber ich werde keinen so lieben wie den Vicomte."
Der
Marschall von Noailles äußerte sich sehr kritisch über eine neue Tragödie.
Man sagte zu ihm: "Aber Herr von Aumont erzählt doch, Sie seien in seiner
Loge gewesen, und das Stück hätte Sie zu Tränen gerührt." - "Nicht im
geringsten", antwortete der Marschall, "aber da Herr von Aumont selbst
schon von der ersten Szene an weinte, hielt ich es für anständig, seinen
Schmerz zu teilen."
Ein
gescheiter Mann sagte mir eines Tages, die Regierung von Frankreich wäre
eine absolute Monarchie, gemäßigt durch Spottlieder.
D'Alembert
hatte Frau Denis einen Tag nach ihrer Hochzeit mit Herrn Duvivier besucht.
Man fragte ihn, ob sie glücklich aussehe. "Glücklich", antwortete er,
"ich versichere Sie, so glücklich, dass einem schlecht dabei werden kann."
Herr
von Voltaire, der merkte, wie die Religion alle Tage an Kraft verlor,
sagte einmal: "Das ist doch verdrießlich, denn worüber sollen wir uns
nun lustig machen?" - "Oh", sagte ihm Herr Sabatier de Castres, "trösten
Sie sich; an Gelegenheit und Mitteln wird es Ihnen nicht fehlen." - "Mein
Herr", sagte Voltaire schmerzbewegt, "kein Heil außerhalb der Kirche."
Duclos
sprach eines Tages vom Paradies, das jeder sich auf seine Art ausmalt.
Frau von Rochefort sagte ihm: "Für Sie wär's ein Käsebrot, Wein und die
erste beste."
Eine
neunzigjährige Dame sagte zu Fontenelle, der damals fünfundachtzig Jahre
alt war: "Der Tod hat uns vergessen." - "Pst!" antwortete Fontenelle und
legte den Finger auf den Mund.
Der
Fürst von Charolais überraschte Herrn von Brissac bei seiner Geliebten
und sagte: "Gehen Sie!" Herr von Brissac erwiderte: "Monseigneur, Ihre
Ahnen hätten gesagt: "Gehen wir."
Herr
von Vendôme sagte von Frau von Nemours, die eine lange Hakennase über
roten Lippen hatte: "Sie sieht aus wie ein Papagei, der eine Kirsche verspeist."
Als
Fontenelle im Sterben lag, fragte man ihn: "Wie geht's?" - "Es
geht nicht", antwortete er, "ich gehe."
Man
fragte einen Mann, der bekannte, dass er die Frauen sehr schätze, ob er
viele besessen habe. "Nicht so viele, als wenn ich wie verachtete", erwiderte
er.
Zitiert
nach: Nicolas Chamfort: Ein Wald voller Diebe. Maximen, Charaktere, Anekdoten.
Übersetzt von Fritz Schalk. Nördlingen 1987.


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