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Auch
heute noch treibt Magie, wer ein Bild malt.
Was
wir Wirklichkeit nennen, ist uns nicht gegeben, sondern aufgegeben.
Ein
Ding, das einen Sinn hat, wird früher oder später durch diesen
Sinn ersetzt. Ihr Sinn ist einem gewissen Sinn allemal die Widerlegung
einer Sache. Den Satz, den man verstanden hat, pflegt man zu vergessen.
Nur die Wortfolge, die sich nicht oder doch nicht restlos in einen
Sinn auflösen lässt, bleibt einem im Kopfe. - Ein Gesetz, von dem … alle
Dichtung lebt.
Nur
das Haus, das in einem fort verfällt, steht.
Ein
Kritiker ist primär Schriftsteller. Zumindest sollte er's
sein: eine Kritik, die nicht ein gutes, und das heißt widerständiges Stück
Prosa ist, ist keine. Ein Kritiker taugt, wenn er als Schriftsteller taugt;
und falls es überhaupt so etwas wie ein Rechthaben gibt für ihn, hat er
beiläufig und als Schriftsteller recht.
Der
einzige Weg für eine Kritik, in bezug auf ihren Gegenstand recht zu haben,
ist der, in sich selbst recht zu haben. Ein Porträt ist in erster Linie
nicht ähnlich oder unähnlich, sondern ein Bild. Analog ist die Kritik
in erster Linie ein Stück guter oder schlechter Prosa. Eine Literatur
über die Literatur, hat Thibaudet sie genannt. Darin ist einmal enthalten,
dass eine Kritik, die zählen soll, es ihrerseits zum Kunstwerk bringen
muss; weiter, dass die Kritik der Kritik nicht von ihrem Gegenstand her,
sondern aus und an ihre selbst zu erfolgen hat.
Die
Emsigkeit, mit der wir konservieren und restaurieren, ist eine Form des
Unglaubens.
Was
gestern "Der Herr ist mein Hirte" hieß, heißt heute notwendigerweise
bis zum Nichtwiedererkennen anders.
Das
Schlimmste, was sich sagen lässt von einem Buch, ist das, es gebe ein
paar schöne Stellen darin.
Literaturwissenschaft
ist der Versuch, Literatur in Literatur zu übersetzen.
"Ein
Wort gab das andere": die Ars poetica in nuce.
Der
Unterschied zwischen wahr und richtig ist nicht weniger groß als der zwischen
richtig und falsch.
Am
liebsten hätte er selbst in seinem Papierkorb noch Ordnung gehabt.
Das
Wesen der Welt ist Antwort, man könnte auch sagen: Stil. Auf Drähte gibt
sie anders raus als auf Gesänge.
Schon
schade, dass die Kirche den Index Librorum Prohibitorum abgeschafft hat.
War doch ein guter Literaturführer!
Es
gibt nicht nur die Flucht aus, es gibt auch die Flucht in die Realität.
Da
man nur aus Unordnung Ordnung machen kann, stürbe ein Geist, der nicht
auch einen Wirrkopf beherbergte, schon bald an Auszehrung.
Se
débrocher, aus dem Leim gehen; was das Buch tut, das nur dank dem Buchbinder
eins ist.
Am
empfindlichsten dissonieren die am nächsten benachbarten Töne.
Aller
Anfang ist leicht. Schwer hat's erst der Meister.
Ein
Wort ist etwas, und ein Wort bedeutet etwas. Des Dichters,
Hochzeit zu stiften zwischen diesen beiden Tätigkeiten des Wortes.
Der
Künstler ist allenfalls die Hälfte des Künstlers; erst der Künstler, über
dessen Schulter ein Kritiker sieht, ist der ganze.
Nur
das Unvollkommene bedarf eines Autors.
Es
gibt überhaupt nur moderne Kunst. Soweit Kunst früherer Zeit Aktualität
hat, ist sie von vorweggenommenen Kubisten oder Abstrakten.
Wer
nur etwas von alter Kunst versteht, versteht auch von alter Kunst nichts.
Der
alte Meister an der Wand des Bürgers hat die gleiche Funktion wie das
Eisbärfell vor seinem Sofa: Gefahr, die nicht mehr beisst.
Realität
ist das Resultat eines Aktes, der, indem er das Ich mit der Sache, das
Ich mit sich selbst in Übereinstimmung bringt. Eine Übereinstimmung übrigens
derselben Art wie jene, die wir als Wahrheit bezeichnen.
Man
sieht ein Ding, wenn es aufhört, sich zu verändern. Es hört aber
nicht auf, sich zu verändern, solange man es sieht. Es sehen und es anders
sehen, das heißt es nicht wiederfinden, sind dasselbe. Man hat
es also eigentlich nie gesehen; es zu sehen, steht immer erst bevor bzw.
noch aus. Was mit anderen Worten besagt, dass eben seine Gegenwart reines
Futur ist: Wirklichkeit nicht das Gegebene, sondern die Utopie par excellence.
Inhalt der Kunst - alle Zeiten hindurch - ist die Einfachheit, das heißt
die Befreiung vom Inhalt.
Alles
Warten ist Warten auf Verwandlung.
Zitiert
nach: Albrecht Fabri: Der schmutzige Daumen. Gesammelte Schriften. Frankfurt
a. M. 2000


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